Der Verein Zukunftsmodell

Das Projekt

Hirschkäfer kommen in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor. Nicht selten in Menschennähe. Trotzdem kennen ihn viele von uns nicht und nur wenige haben diese durchaus imposante Käferart je selbst einmal gesehen. Dies war früher anders, historische Namen wie Feuerschröter, Donnergugi, Pferdeklemmer oder fliegender Hirsch weisen sogar auf seine mythische Bedeutung für den Menschen in der Geschichte hin.

Wir möchten Ihnen mit diesen Seiten einen urigen Käfer wieder näher bringen, für ihn werben und mit Ihrer Hilfe gleichzeitig wichtige Daten über Lebensraumnutzung und Lebensweise dieser nützlichen Art sammeln.
Weiterhin wenden wir uns immer mehr dem konkreten Schutz dieser Art zu. Aber auch neuen Herausforderungen werden wir uns stellen. Das Thema Insektensterben ist mitten in der Gesellschaft angelangt. Momentan -so scheint es jedenfalls- ist der Hirschkäfer noch nicht so stark betroffen. Dennoch greifen wir dieses wichtige Thema auf und werden uns engagieren, aktuell mit der Anlage von Blumenwiesen sowie Infos auf dieser Homepage

Unsere bisherigen Untersuchungen in Deutschland sprechen für eine größere Verbreitung als ursprünglich angenommen. Stetiger Landschaftswandel und nach eigenen Untersuchungen auch der Klimawandel werden den größten mitteleuropäischen Käfer vor neue Herausforderungen stellen.

Die britische Wissenschaftlerin Dr. Deborah Harvey hat von 19 Jahren zeitgleich mit mir ihre Forschungen zum Hirschkäfer in Großbritannien begonnen. Mit ihr und mittlerweile einer ganzen Reihe von europäischen Wissenschaftlern pflegen wir eine konstruktive Zusammenarbeit. Über den länderübergreifenden Austausch von Erhebungsdaten zum Vorkommen des Hirschkäfers und einer parallel stattfindenden Bewertungsanalyse möglicher Klima- und Landschaftsbeeinflussungen lassen sich möglicherweise konkretisierende Aussagen zu einer zukünftigen Hirschkäferpopulation und einer damit einhergehenden Lebensraumprognose vornehmen. Hierzu wurde mit unserer intensiven Mitwirkung auch ein Transect-Verfahren für ein effektives Monitoring entwickelt. Entscheidende Vorarbeit dazu wurde beim 3. European Stag-Beetle-Meeting im Jahr 2013 in Alf an der Mosel geleistet. Bereits 2011 haben wir den gemeinnützigen Verein Hirschkäferfreunde-Nature two. e.V. gegründet, der zurzeit 85 Mitglieder hat. Der Verein unterstützt die Suche und seine Mitglieder wirken nicht nur als Förderer, sondern sind Multiplikatoren und leiten auch Projekte vor Ort.

Der Hirschkäfer war in Deutschland, der Schweiz und in Österreich Insekt des Jahres 2012, aus diesem Anlass hatten wir bereits unser Informationsangebot deutlich erweitert und setzen dies auch kontinuierlich fort. Auch 2019 werden wir wieder für Verbesserungen sorgen und neben der "Suche" den Bereich "Hirschkäferschutz in der Praxis" in unseren Fokus nehmen. Dazu erweitern wir auch noch den Bereich "Hirschkäfer-TV". Seit zwei Jahren erheben wir für die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Daten, in diesem Jahr kommt die Erhebung für das Bundesland Voralberg in Österreich hinzu (inatura). Wir und andere nutzen Synergieeffekte.

Ergebnis 1:
Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) lebt baumbezogen,  er kennt keine Begriffe wie  Wald, Offenland, Stadt oder Dorf sondern orientiert sich an den  Bedingungen in und um den Baum(stumpf).  Er ist deshalb auch keine typische Waldart. 

Ergebnis 2:
Der Hirschkäfer ist in Deutschland ein erfolgreicher Kulturfolger. 

Ergebnis 3:
Der Hirschkäfer ist trotzdem gefährdet, weil diese Kulturfolgereigenschaft im Naturschutz keine ausreichende Beachtung findet.

Grußwort von Frau Dr. Harvey

Originaltext
"Having both independently completed PhD research on the stag beetle in 2006, Markus Rink and I have been collaborating on many aspects of the stag beetle’s biology and ecology, including collaborating on mapping the European distribution of the beetle and non-invasive larval monitoring over the last 4 years. We share a common aim to not only conserve stag beetle numbers but to improve our knowledge of them, through further research and collaboration, to improve the future success of the species across Europe."

Deborah Harvey, London

Deutsche Übersetzung
Nachdem Markus Rink und ich im Jahr 2006 unabhängig voneinander unsere Dissertationen über den Hirschkäfer verfasst haben, arbeiten wir seitdem bei vielen Aspekten über die Biologie und Ökologie des Käfers zusammen, inklusive der Kooperation bei der Kartierung der europäischen Verbreitung und der nicht-invasiven Larvenbeobachtung. Wir verfolgen das gemeinsame Ziel, nicht nur die reine Anzahl der Käfer zu erfassen, sondern unser Wissen über sie durch ständige Forschung und Wissensaustausch zu vertiefen um den Fortbestand dieser Art in Europa zu sichern.